Rezi: Sharknado (USA 2013)

Den Produzenten von Hits wie TRANSMORPHERS, I AM OMEGA, THE TERMINATORS, TITANIC 2 und, ja, ATLANTIC RIM verdanken wir SHARKNADO, das hirnerweichende All-Shark-Vehikel, welches der amerikanische Spartensender SyFy auf die Welt losließ. Die Filmschmiede hinter dem für SyFy-Verhältnisse überraschend erfolgreichen Megatrasher, THE ASYLUM, hat Erfahrung mit filmischen Leckereien dieses Formates: Perlen wie MEGASHARK VS. GIANT OCTOPUS; MEGASHARK VS. CROCOSAURUS oder zuletzt 2-HEADED SHARK-ATTACK zeigen, dass diese Leute ihr Handwerk verstehen. Obwohl, das ist sicher deutlich zuviel gesagt, denn trotz Erfahrung im Metier wirkt SHARKNADO erfrischend dilettantisch in jeder Hinsicht. Über den Realitätsbezug der Story zu reden, wäre noch idiotischer als die Story selbst, belassen wir es einfach mit dem Hinweis, dass die Geschichte ziemlich genau das ist, was man von einem Film namens SHARKNADO erwartet. Auch der Hinweis auf die Qualität der Effekte ist wohl eher unnötig, wobei die Qualitätsspannweite doch ganz ordentlich ist: Einer vergleichsweise eindrucksvoll getricksten Krawallszene mit einem losgelösten Riesenrad, das die Straße herunterpoltert und in ein Haus kracht, stehen z.B. die Tornados selbst gegenüber, deren befremdliches Äußeres ihr Wesen nur vage erahnen lässt. Großangelegt sind viele Effekte allemal, groß ist dann auch das Gelächter, welches sie beim Zuschauer hervorrufen.
Einer Erwähnung wert sind die Darsteller. Tara Reid, immerhin groß als Hauptdarstellerin angekündigt, spielt als in Trennung lebende Ehefrau des eigentlichen Hauptdarsteller Ian Ziering nur die dritte oder vierte Geige. Gott sei Dank, möchte man da sagen, denn vom lustlosen Spiel der gesichtssteifen und talentreduzierten It-MILF mit Botox-Mimik möchte man wohl kaum mehr sehen. Ex-90210-Star Ziering hingegen wirkt trotz fortgeschrittenen Alters jugendlich und dynamisch, wie ein Christian Slater vor der Koks-Kur. In der ersten halben Stunde verblasst er aber gegen HOME ALONE-Papa John Heard, der als versoffener, alter Grabbel-Opa, welcher der Hai-Invasion mit seinem umgedrehten Barhocker bewaffnet entgegentritt, schnell die Lacher auf seiner Seite hat.
Mehr als einen Satz hat aber die Gesamtinszenierung nebst Montage verdient: Sie ist, höflich gesagt, schwer inkonsistent, stylishe Gegenlichtaufnahmen werden neben potthässliche Strandaufnahmen auf schlechtem Heimvideoniveau gepappt, die Farbgebung wechselt von Einstellung zu Einstellung, gleiches gilt für Schärfe und Kontraste. Das Highlight sind jedoch die Anschlussfehler. Zu sagen, dass es viele von ihnen gibt, wäre wie Tara Reid leichte Defizite in der Schauspielkunst zu attestieren, also eine gelinde Untertreibung. Man darf hier eher die Gleichung aufstellen: ein Schnitt = ein Anschlussfehler! So wechselt das Wetter, der Grad der Überschwemmung, die Tageszeit, der Haipegel und vieles mehr im Sekundentakt, weshalb der Zuschauer schon einige Mühe aufbringen muss, die Gesamtsituation im Überblick zu behalten. Wenig hilfreich ist die großzügig eingestreute Stock Footage von allerlei echten Katastrophen, die selten mit dem eigentlichen Filmmaterial harmoniert. So schiebt sich zum Beispiel trotz Hai-Apokalypse der Berufsverkehr seelenruhig durch die Stadt.
Das alles klingt natürlich großartig und hochunterhaltsam, einen satten Nachschub an Alkohol, Drogen oder exotischen Leckfröschen vorausgesetzt, leider ist SHARKNADO aber sehr bieder erzählt und verzichtet nicht auf schon hundertfach gesehene Standardsituationen und lahmes Heldendrama. Eine Hand voll kecker Sprüche lockert die Routine nur ungenügend auf, alles in allem fehlt dem Drehbuch die Leck-mich-am-Arsch-Attitüde der Effekte.
Respekt nötigt der Trailer ab, der den Effektwahnsinn wunderbar effektiv zusammenmontiert und natürlich deutlich furioser wirkt als das etwas schaumgebremste Endresultat, ein Phänomen, das aber auf die meisten, hier im Sinne von „alle“ verwendet, Asylum-Produktionen zutrifft. Der Trashgourmet ist aber dennoch eingeladen, SHARKNADO zu probieren in dem Wissen, dass bei Wohlgefallen noch viel Nachschub vorhanden ist. Nächste Empfehlung: MEGA PYTHON VS. GATOROID