Kurzrezi: John Wick – Chapter 2 (USA 2017)

Weitestgehend äquivalente Fortsetzung zum Action-Überraschungserfolg mit Keanu Reeves, die sich allerdings noch deutlicher als der Vorgänger von der TAKEN-Formel entfernt und seine Assassinen-Mär mit deutlicher Parallelwelt-Schieflage erzählt. Mir persönlich ist die Geschichte zu abstrakt, um emotional angesprochen zu werden, und auch der Action fehlt die dramatische Wucht, die bessere Genrevertreter auszeichnet. Wie im ersten Teil sind Geballer und Kämpfe stylish choreografiert, wobei erst im letzten Drittel der rote Lebenssaft beginnt, vermehrt in attraktiven Fontänen zu sprudeln, bis dahin wird eher clean gestorben.
Von Reeves darf man wieder keine großen Leistungen erwarten, auch sein Charisma- und Coolness-Pegel bleibt im lauwarmen Bereich. Er sieht gut aus, immerhin, so wie auch der gesamte Film, der als Unterhaltungsprodukt damit eine bessere Figur abgibt als diverse andere Altherren-Actionfeste; GUNMAN, I AM WRATH oder 3 DAYS TO KILL dürfen sich hier zum Beispiel angesprochen fühlen.

Rezi: Alien Covenant (USA 2017)

Willkommen zurück in der Welt von PROMETHEUS, einer Welt, in der verantwortungsvolles Handeln ein unbekanntes Konzept ist; einer Welt, in der Überlegungen von unbegreiflichen Impulsen ersetzt werden; einer Welt, in der konsequent und zum Zeitpunkt des Geschehens stets erkennbar die falschen Entscheidungen getroffen werden. ALIEN: COVENANT wartet mit all dem inhaltlichen Schwachsinn seines Vorgängers auf, erspart dem Zuschauer jedoch das moralische Dilemma, sich aufgrund der einzigartigen Atmosphäre oder seines herausragenden Designs dennoch für den Film begeistern zu müssen. Vielleicht ist es ja eher dem im Vergleich zu PROMETHEUS knapperen Budget und weniger einer fehlgeleiteten künstlerischen Vision von Regisseur Ridley Scott geschuldet, aber das zusammengewürfelt wirkende visuelle Konzept von ALIEN: COVENANT vermag keinerlei Euphorie zu erzeugen. Vom unschlüssig zwischen abgegriffener ALIEN-Tradition und High-Tech-Moderne designten Schiff über den europäischen Mischwald, der den reichlich irdisch wirkenden fremden Planeten begraugrünt bis zu den preiswert wirkenden Einstellungen von Alien-Artefakten, ein einleuchtender kreativer roter Faden ist hier nicht zu erkennen. Und hinter all den faden Ideen, uninspirierten inhaltlichen Entwicklungen und idiotischen Aktionen versinken die Ambitionen des Regisseurs, hier eine Fabel von Gott und Mensch, Schöpfer und Geschöpf, von Frankenstein und seinem Monster, das selbst Frankenstein werden möchte, zu erzählen, in der Bedeutungslosigkeit.
Immerhin hält Scott die dramaturgischen Zügel abseits von wenigen fragwürdigen Montage-Entscheidungen (Ist es ein Flashback? Ist es ein Traum?) einigermaßen fest in den Händen, Langeweile kommt in der SF-Gruselmär (auch dank billiger Spannungsschinderei) also nicht auf. Den Darstellern kann gar kein Vorwurf gemacht werden, fehlende Sympathie oder mangelndes Verständnis für die Figuren muss eher der oberflächlichen bis schwachsinnigen Charakterzeichnung als dem Schauspiel zugeschrieben werden. Und in der zweiten Hälfte kommt dann doch wieder etwas von der klassischen ALIEN-Atmospäre auf, auch wenn die Twists und Schocks allesamt erwartbar sind. Nostalgiker freuen sich zudem über den sich großzügig beim Jerry Goldsmith-Score des Originals entlehnten Soundtrack, der die vertrauten Klänge mit Motiven aus PROMETHEUS und unauffälligen neuen Themen verknüpft. Doch nur der völlig Nostalgietrunkene wird sich durch diesen offensichtlichen Fanservice den Blick darauf verschleiern lassen, dass ALIEN: COVENANT eine bittere Enttäuschung, ein dämlicher Monsterschlocker und kein guter Film ist.