Rezi: Atlas Shrugged Pt.1 (USA, 2011)

Die Verfilmung von Ayn Rands berühmtem Roman (in Deutschland als DER STREIK veröffentlicht) darf man sich als eine Art JUD SÜSS des Kapitalismus vorstellen, in der eine Welt dargestellt wird, in der sämtlicher Fortschritt und Wohlstand von einer Kaste genialer Unternehmer und Visionäre erarbeitet wird. Statt sie aber zu preisen und zu schützen, hat die parasitäre Restgesellschaft, allen voran natürlich Big Government und mächtige Gewerkschaftsbosse, nichts besseres zu tun, als sie durch Regulierungen und Umverteilung einzuschränken und zu unterdrücken, woraufhin sie, einer nach dem anderen, verschwinden und in einen Streik treten.
In der seltsamen Parallelwelt, in der die Geschichte spielt, wirkt dieses Geschehen sogar emotional ganz nachvollziehbar, was den Film, genauso wie die Romanvorlage und die dahinterstehende Philosophie des „Objektivismus“ nur noch abscheulicher macht. Dieses Machwerk einfach nur als Film zu verurteilen, wäre ähnlich wie bei oben genanntem Nazi-Propagandawerk falsch und unangemessen. In ihrenen Aussagen zielt diese im Wortsinn asoziale Geschichte in letzter Konsequenz auf eine Auslöschung jeglicher zivilisatorischer Normen, wer im Dystopia von Frau Rand (einer Exilrussin, die durch die Oktoberrevolution offenbar schwerst traumatisiert wurde) Mitgefühl mit seinen Mitmenschen zeigt, handelt nicht nur dumm und falsch, sondern macht sich auch schuldig, zumindest moralisch.
Interessant ist vielleicht, dass die Welt, die Andrew Ryan im Computerspielhit BIOSHOCK kreierte, dies nach dem Vorbild Ayn Rands tat (man vergleiche auch die Namensähnlichkeit). Als Philosophie eines Videospielbösewichts ist der Objektivismus sicher auch eine recht faszinierende Angelegenheit, als sich mittlerweile zumindest in den USA wieder erheblicher Popularität erfreuende und durch die Tea Party-Bewegung neu ins Gerede gebrachte Weltanschauung ist er hingegen höchst gefährlich, genauso wie der ihn propagierende Roman (der literarisch mindestens so unterirdisch ist wie inhaltlich) und Film, der glücklicherweise an den US-Kinokassen gnadenlos unterging, was sicher eher den fehlenden Stars und der abseits von FOX NEWS und WALL STREET JOURNAL sehr kritischen Berichterstattung als dem philosophischen Background zu verdanken ist. Aus dem ursprünglich sehr ehrgeizigen, hochbudgetierten Projekt, für das sich unter anderen Angelina Jolie und Brad Pitt stark machten, ist ein immerhin recht schön anzuschauender B-Movie geworden, dessen Fortsetzungen mangels Erfolg noch in den Sternen stehen. Da laut Ayn Rand Scheitern ja immer ein Zeichen eigenen Versagens ist, sollten die Produzenten doch sehr überlegen, ob sie diese Box-Office-Totgeburt noch weiter subventionieren wollen.

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