Rezi: Safe (USA, 2012)

Der neueste Beitrag in einer mittlerweile endlos scheinenden Abfolge von immer ähnlichen Actionflicks mit TRANSPORTER-Star Jason Statham ist SAFE, dessen Trailer einmal mehr die nur noch mäßig schmackhafte Mixtur aus Standard-Plot, Standard-Charakteren und der gewohnten Action versprach. Entgegen der daraus resultierenden gedämpften Erwartung ist SAFE aber ein ziemliches Brett, welches den Zuschauer zunächst mit seinem Protagonisten durch ein Tal der Tränen und Demütigungen schickt. Diese Tortur lässt beim Publikum ordentlich emotionalen Druck entstehen, der sich dann aber freudvoll entladen kann, denn die Stunde der Vergeltung kommt natürlich, und das mit der Gewalt eines Dampfhammers. Statham arbeitet sich wie ein Yojimbo auf Speed durch die Gegnerschaaren, spielt konkurrierende Banden gegeneinander aus, jagt in wilden Verfolgungsjagden durch die New Yorker Innenstadt, seinen Weg mit Leichen und materiellem Kollateralschaden pflasternd. Ein wenig erinnert das wilde Treiben an CRANK, allerdings besitzt SAFE ein konventionelleres erzählerisches Fundament, welches es dem britischen Actionstar erlaubt, einige der eher wenigen emotionalen Momente seiner Leinwandkarriere erfreulich glaubwürdig zu spielen. Denn Statham ist hier nicht nur todbringender Engel der Vergeltung, sondern auch Schutzengel für ein chinesisches Mädchen, dessen phänomenales numerisches Gedächtnis einen Code enthält, für den die feindlichen Parteien über Leichen gehen.

Das Einbinden dieses speziellen Talents und seine Benutzung erscheint leider ebenso erzwungen wie der Grund für Stathams Schutzengelrolle, aber auf Realismus und Nachvollziehbarkeit sollte man das Script sowieso besser nicht abklopfen, ist es doch vornehmlich Mittel, um zum richtigen Zeitpunkt Spannung und Emotionen zu triggern, nicht um diese langwierig zu entwickeln. Auch die Kamera sorgt für immer neue, kurzfristige Reize, schnelle Schnitte und fiebrig zitternde Bilder bringen den unmittelbaren Flash, und das sehr wirkungsvoll.

Die derart erzeugten Gefühle flauen naturgemäß schnell ab, weswegen der Film mit enormem Tempo auch gar nicht erst Leerlauf aufkommen lässt. Die anderthalb Stunden vergehen wie im Flug, was mehr ist, als man über viele andere Statham-Filme wie THE MECHANIC oder BLITZ sagen kann. SAFE ist reinste Unterhaltung, und dabei eher Bungie-Jump als Kettenkarussel.

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