Rezi: Total Recall (USA, 2012)

Yeah, die dreitittige Nutte aus dem Arnie-TOTAL RECALL is back! Kult, ihr Nerds! So subtil präsentiert sich der Auftritt besagter Dame, die einst in Paul Verhoevens SciFi-Actioner ein netter Blickfang in einer von Mutanten gut besuchten Mars-Kaschemme war, im neuen Remake jedoch völlig ohne Mutanten-Kontext eher für Stirnrunzeln sorgt. In den durchgestylten und fast ausschließlich von schönen Menschen bevölkerten Bilderwelten wirkt sie wie ein Fremdkörper und offenbart sich als billiger Gimmick, um sich bei Fans des 1990er Streifens anzubiedern.
Unauthentisch könnte man ihren Auftritt nennen, unauthentisch wirkt auch manch anderes im Film. Der Verhoeven-Film ist im Prinzip ein vulgär wirkendes, durchtriebenes, geschmackloses, beizeiten auch mal ganz schön hässliches Miststück, welches bei näherer Hinwendung ein wenig aus dem Mund riecht, dafür aber prima, na, sagen wir küssen kann. Niemand, den man den Eltern vorstellen würde, der aber stets für Spaß und manche Überraschung gut ist. Len Wisemans Neuauflage ist hingegen eine perfekt aussehende Blondine, die sich stets zu benehmen weiß, Jura studiert, als Zeichen der Unangepasstheit aber ein Nabelpiercing trägt. Wow! Natürlich kann man mit der auch Spaß haben, aber man bekommt letztlich, was man erwartet.
Im Falle dieses Filmes ist es die sanft variierte, in ihren Grundfesten aber übernommene Geschichte der Erstverfilmung, welche um das eine oder andere saftige oder schmutzige Detail bereinigt wurde. Kennt man das Original, erwarten einen hier keinerlei Überraschungen, was dem Unterhaltungswert nicht gerade zuträglich ist. Die kontroverse Brutalität blieb ebenso auf der Strecke, genauso wie die offenbar von einem repräsentativen Teil der Zielgruppe als albern betrachteten Mutanten- und Alien-Subplots. Erfreulicher ist der Verlust der trashigen Ausstattung, Pappmaché- und Wellblechkulissen wichen beeindruckenden Designs und großartig getricksten Stadtpanoramen, welche zum Teil an bekannte Vorbilder wie BLADE RUNNER oder I, ROBOT erinnern, durch ihren Fokus auf Höhe aber auch genug Eigenständigkeit mitbringen, um sich des Plagiatsvorwurfs erfolgreich erwehren zu können.
Offenbar kaum im Fokus des STIRB LANGSAM 4-Regisseurs stand die Atmosphäre, einer der Punkte, mit denen das Verhoeven-Original noch heute auftrumpfen kann: Geschickt eingestreute Mysterien, sinnvolle Tempowechsel und Jerry Goldsmiths wegweisender Score sorgen für ein breites Spektrum von Emotionen, denen das Remake zwei Qualitäten entgegenstellt: Hochgeschwindigkeitstempo und Krach. Dabei sorgt das hohe Tempo leider nicht für äquivalent hohe Spannung, vergaß man doch bei all der Hatz, den Charakteren Leben einzuhauchen. Corin Farell mag der bessere Schauspieler sein als Arnold Schwarzenegger, einen besseren Douglas Quaid gibt er leider nicht ab, zu konturlos ist seine Figur abseits der Action, Besser schlagen sich da die Damen, gerade Kate Beckinsale verkörpert die Bitch absolut glaubwürdig und jagt mit einer Besessenheit und Konsequenz ihrem „Ex-Mann“ hinterher, die eines Terminators würdig ist. Doch auch Jessica Biels Leistung gefällt, allerdings sind sich die beiden Gegenspielerinnen optisch zu ähnlich, da boten Sharon Stone und Rachel Ticotin im Original einen stärkeren und durchaus sinnvollen Kontrast.
Immerhin in den zahlreichen und ausufernden Actionszenen des Remakes scheinen sich alle drei Hauptdarsteller so wohlzufühlen wie Fische im Wasser. Von dynamischen Kampfszenen über Parkour-artige Verfolgungsjagden zu Fuß bis hin zu schnittigen Shootouts mit ordentlich Körpereinsatz wird ihnen einiges abverlangt, im Zusammenspiel mit der virtuosen Choreografie, der sich stets nah am Geschehen befindlichen, aber nur selten zur Unübersichtlichkeit neigenden Kamera und der zügigen Montage von Christian Wagner (MAN ON FIRE; THE ISLAND) entstehen mitreißende, beizeiten gar augenöffnende Action-Set Pieces, die dem doch recht betulich wirkenden Original deutlich die Show stehlen.
Aber Action ist gerade in einem Film wie diesem nicht alles, und der im Prinzip immer noch sehr spannenden Geschichte ist es abträglich, wenn jede Wendung und Enthüllung im Krawall untergeht, so schön er auch sein mag. Und so stellt sich, wie bei bei so manch attraktiver Blondine, zu schnell eine gewisse Gleichgültigkeit und Langeweile ein, etwas, das es in Verhoevens angetrashtem Original nie gab.

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