Rezi: The Expendables 2 (USA; 2012)

Obwohl scheinbar wie für mich gemacht, hat mich der erste EXPENDABLES nicht wirklich begeistern können, zu offensichtlich war das Kalkül, zu platt die Sprüche, zu durchschnittlich die Action. Die in Bulgarien runtergekurbelte Fortsetzung folgt exakt dem gleichen Muster, verschiebt aber ein wenig die Regler am Mischpult. Das kommt insbesondere der Action zugute, welche in ähnlichem Maße vorhanden ist wie beim Vorgänger, qualitativ aber deutlich höher anzusiedeln ist. Die Eröffnungsszene des Filmes ist eine spektakuläre und virtuos inszenierte Actionsequenz, die leider mehr verspricht, als das Gesamtwerk dann halten kann. So fette Explosionen, so ausufernde Zerstörung und so blutige Einschüsse gibt es später nicht mehr, was nicht heißt, dass die Action, insbesondere im Finale, nicht immer noch spektakulär wäre.
Spektakulär ist auch der Inhalt, beziehungsweise der Mangel an solchem: Über die öde Geschichte braucht man nicht zu reden, bemerkenswert sind aber die Dialoge. Unterhalten wird sich ausschließlich in Phrasen, für die kein Wortspiel zu platt und kein Kalauer zu alt ist, als dass man sie nicht dennoch verwendet hätte. Hinzukommt, dass die ersetzbaren Helden quasi jede ihrer Handlungen mit großteils unterirdischen One-linern kommentieren, was gerade auch die Action schon deutlich in den Bereich der Parodie verlagert. Auf die Spitze getrieben wird die Wirkung dieser Humorattacke durch eine völlig ungelenk übersetzte Synchro, in der ein wild grimassierender Dolph Lundgren „Friss Scheiße!“ ruft und statt des auch schon fremdscham-evozierenden „I declare you man and knife!“ von Jason Statham ein „Ich ernenne (?!) euch zu Mann und Messer!“ vorgetragen wird. Glücklicherweise streckt der TRANSPORTER-Star die derart angeredeten Büttel nieder, bevor sie peinlich berührt erröten können.
Auf diese Weise wird sich durch den Film gescherzt, aufgelockert durch die gelegentliche Action, in der freilich locker weitergeflachst wird. Konterkariert wird das heitere Treiben durch sporadisches und völlig unpassendes Gemenschel, welches sich um die von Liam Hemsworth verkörperte Figur rankt. Der kleine Bruder des Thor-Darstellers müht sich vergebens, seinem Schafsgesicht glaubwürdige Emotionen zu entlocken, die Plattitüden, die das Drehbuch offenbar für bewegende Gefühlsoffenbarungen hält, lassen das Bemühen aber von vornherein unsinnig erscheinen.
Das Finale stellt dann auch eher einen Höhepunkt in Sachen Albernheit denn Spektakel dar, mit seiner direkt geäußerten „Schieß auf irgendwas!“-Attitüde ein Flughafen-Terminal auseinandernimmt und ganze Legionen von ausnehmend nicht zielen könnender Schergen von unseren betagten Stars, allen voran Arnie und Chuck Norris, über den Jordan schicken lässt. Sly darf sich hingegen mit dem sympathisch schräg rüberkommenden van Damme messen, der, vielleicht zum letzten Mal, seine berühmten Spin Kicks zum Besten gibt. Letztlich gewinnt natürlich allen Spin Kicks zum Trotz das Gute in Form von wuchtigen, bodennahen MMA-Moves. Das Kluge hingegen hat sich gleich zu Beginn verabschiedet, was wenig verwunderlich ist. Man kann dennoch darauf hinweisen, dass im Gegensatz zum Vorgänger und so manch anderem vergnüglichen Genrevertreter THE EXPENDABLES 2 nicht nur kein intelligenter Film ist, sondern ein explizit und schmerzhaft dummer. Ein verfilmter Rülpser, für den man kein Schöngeist sein muss, um sich beleidigt zu fühlen, für den man aber auf jeden Fall sehr straff oder auf andere Art und Weise umwölkt sein sollte, um Spaß zu haben. Wie sagt’s Volker Pispers so schön: „Da stößt doch Alkohol an die Grenzen seiner Möglichkeiten!“.

 

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