Kurzrezi: The Bullet Vanishes (Hongkong; China 2012)

Den ziemlich desaströsen Zustand des zeitgenössischen HK-Kinos kann man unter anderem daran erkennen, dass ein Film wie THE BULLET VANISHES fast durchweg lobend rezensiert wurde. Dabei ist THE BULLET VANISHES ein überdeutliches Rip-Off der Guy Ritchie-SHERLOCK HOLMES-Filme, und den Vorbildern in wirklich jeder Hinsicht unterlegen. Die Story ist okay und nicht unspannend, wird gegen Ende aber immer wirrer und präsentiert mal mindestens einen Twist zuviel. Die Protagonisten sind nicht übel gezeichnet, verblassen aber gegen die schillernderen, ambivalenteren und deutlich witzigeren HOLMES-Charaktere. Auch darstellerisch kommt TBV nicht mit. Zwar ist Lau Ching-Wan gewohnt gut, aber schon bei Nicholas Tse wird’s zweifelhaft, gerade in seinen emotionaleren Momenten versagt der Bursche mal wieder.
Die Schauwerte des Filmes hingegen passen, sind aber trotz üppigen Budgets denen der beiden SHERLOCK HOLMES deutlich unterlegen. Zudem ist es komisch, dass man ausgerechnet die Action deutlich zurückgenommen hat, der einzig wirkliche Shootout ist mit seiner Zeitlupen-Zerbrösel-Ästhetik auch deutlich vom Wald-Shootout aus dem zweiten HOLMES entlehnt. Mehr als deutlich orientiert sich dann auch der Score an den Vorbildern, von Tommy Wai natürlich eher schlecht als recht nachempfunden, der offenbar das Schulorchester aus HEROIC DUO wiederverpflichtet hat. In einer ohnehin schon üblen Romantik/Sexszene jault eine Geige wirklich mitleidserregend schief durch die Partitur.
In quasi jeder Hinsicht deklassiert fehlt THE BULLET VANISHES trotz mancher Meriten und grundsätzlich mehr als solider Qualität einfach eine Daseinsberechtigung. Mit mehr Eigenständigkeit hätte hier ein richtig guter Krimi entstehen können, so ist es eher seichte Durchschnittskost, was angesichts der großartigen Frühwerke von Regisseur Law Chi-Leung (z.B. DOUBLE TAP und INNER SENSES) sehr enttäuschend ist.

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